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Welche Kampfkunst ist die richtige für mich?

Viele Sportler, die sich für Kampfkünste begeistern können, stehen irgendwann einmal vor der Frage: Welche Kampfkunst ist die richtige für mich?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann wie so oft nicht gegeben werden, dennoch möchte ich in diesem Artikel auf die wichtigsten Merkmale für die Entscheidung eingehen. Dabei berücksichtige ich die folgenden Kriterien

  1. Trainer
  2. Gruppe
  3. Ziele
  4. Organisation und Preis / Leistung

Weiterhin gebe ich gegen Ende des Artikels ein paar Tipps für Eltern, deren Kinder sich für Kampfsport interessieren.

Trainer

Alles steht und fällt mit dem Trainer. Der Trainer oder Meister im Kampfsport ist wie bei kaum einem anderen Sport so wichtig. Er gibt nicht nur die Techniken und Trainingsinhalte vor, er korrigiert zudem Fehlstellungen und gibt Trainingshinweise. Das Wichtigste ist jedoch: Der Trainer ist Vorbild. Auf meiner Dan Urkunde stand in großen Buchstaben:

„Dan sein heißt Vorbild sein“

Warum ist dies so wichtig? Die Kampfkunst lebt zu Beginn von der Nachahmung. Der Trainer macht eine Technik vor, der Schüler macht sie nach. Die Schüler müssen daher sehr auf den Trainer fokussiert sein, sich genau anschauen, wie der Trainer vorgeht und was er macht. Ein Trainer ist ein Vor-Bild. Ein Bild, welches vor der Ausführung durch den Schüler gezeigt wird.

Als Schüler schaut man sich über kurz oder lang nicht nur die Techniken ab, sondern auch die Verhaltensweisen, Einstellungen und Glaubenssätze. Aggressive Trainer formen aggressive Schüler, bescheidene Trainer formen bescheidene Schüler, starke Trainer formen Starke Schüler.

Die Auswahl für den passenden Kampfsport hängt viel mehr von dem Trainer ab, als von der Technik an sich (Judo, Karate, Taekwon-Do, WingTsun, Jui Jitsu…). Ein guter Trainer kann in jeder Kampfsportart seinem Schüler wertvolle Inhalte vermitteln, sowohl Techniken, als auch Lebensweisheiten.

Gruppe

Fast so wichtig wie der Trainer ist auch die Gruppe. Viele Kampfkünste werden mit einem Partner trainiert, daher sollte man sich einen Verein suchen, in dem Gleichgesinnte trainieren. Das Alter spielt eine Rolle, genau so wie der Umgangston, das Miteinander, der Wettkampfgedanke etc.

Auch hier lassen sich nicht ansatzweise empfehlungen für bestimmte Stile machen. Generell kann man sagen, dass alle wettkampfbetonten Stile, wie z.B. MMA (mixed martial arts), Wettkampf Taekwon-Do, Jiu Jitsu, Judo oder Karate eher von dominanten Menschen trainiert werden. Hier steht weniger das Miteinander im Vordergrund, als viel mehr der persönliche Erfolg.

Im Gegensatz hierzu gibt es partnerschaftlich betonte Stile wie z.B. WingTsun, traditionelles Taekwon-Do und Aikido. Hier finden sich oft auch mehr Frauen, insgesamt gibt es generell mehr Harmonie und Miteinander in der Gruppe. Dafür ist der Wettkampfaspekt weniger im Vordergrund. Das Training macht mehr Spaß, ist allerdings oft nicht so effektiv, wie ein wettkampfbetonter Stil.

Ziele

Für die Ausübung von Kampfkünsten gibt es unterschiedliche Zielsetzungen. Früher wurden Kampfkünste gelehrt und gelernt, um sich im Krieg gegen seine Feinde behaupten zu können. Dies ist heute nicht mehr erforderlich. Selbst wenn es zu Auseinandersetzungen kommen sollte, ist eine Pistole oder ein Messer weitaus effektiver, als jahrelanges Kampfkunst Training.

Ziele heute sind meist

  • Allgemeine Fitness
  • Spaß in der Gruppe
  • Selbstverteidigung
  • Körperbeherrschung und Koordination
  • Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken
  • Sportliche Ziele und Erfolge erreichen
  • Wut und Frust ablassen

Deine Ziele solltest Du unbedingt vorher mit dem Trainer klären. Manchmal finden sich auch Hinweise auf der Webseite des Clubs, welche Ziele eher angesprochen werden. Auch hier kann nicht zu 100% gesagt werden, welche Stilrichtungen Die Erreichung Deiner Ziele am ehesten unterstützen. Dennoch möchte ich Dir eine Empfehlung mitgeben:

  • Wenn Du Dich in erster Linie effektiv selbst verteidigen möchtest oder sportliche, ambitionierte Ziele hast, dann wähle einen wettkampfbetonten Stil
  • Wenn bei Dir der Spaß im Vordergrund steht, du gerne neue Menschen kennen lernen und über einen längeren Zeitraum ohne Verletzungsrisiko fit bleiben möchtest, dann wähle einen partnerschaftlich betonten Stil

Wettkampfbetonte Stilrichtungen

  • Boxen
  • Jiu Jitsu
  • Judo
  • Karate
  • MMA
  • Ringen
  • Thai Boxen
  • Wettkampf-Taekwondo
  • Wushu

Partnerschaftlich betonte Stilrichtungen

  • Aikido
  • Capoeira
  • Hapkido
  • Traditionelles Taekwondo

Gesundheitsbetonte Stilrichtungen

Diese Stile lassen sich auch von Älteren Menschen problemlos ausführen.

  • Qi Gong
  • Tai Chi

Weiterhin gibt es noch eine Menge an Kampfkünsten, die mit Waffen ausgeübt werden, wie z.B. Kendo (Schwert) oder Phillippinischer Stockkampf (Escrima). In einigen Kampfkünsten ist der Umgang mit Waffen allerdings auch in den höheren Graden enthalten. So lernt man beim Taekwon-Do oder Hapkido auch den Umgang mit dem Kurz, Mittel- und Langstock oder mit dem Tonfa (Polizeistab mit Griff).

Organisation und Preis-/Leistungsverhältnis

Natürlich sollten die Trainingszeiten zu Deinem eigenen Tagesrhytmus passen. Bedenke hierbei nicht nur die Arbeits, oder Schulzeit, sondern auch die Zeiten für das Essen und/oder Pausen. Selbst wenn Du um 17:15Uhr zu Hause bist, möchtest Du vielleicht erst eine Kleinigkeit essen und Dich von dem Mahl erholen, bevor Du gleich um 18Uhr ins Training startest. Zwischen der letzten Mahlzeit und dem Training sollten bei intensiven Sportarten mind. 60-90 Minuten legen.

Weiterhin ist der eigene Biorhytmus wichtig. Es gibt Menschen, die um 17Uhr eher noch auf kognitive Arbeit eingestellt sind und dafür lieber am späten Abend, gegen 19-20Uhr nochmal trainieren möchten. Für andere hingegen passt ein Training zwischen 17-18Uhr noch gut, da sie früh schlafen gehen und ein Training von 20:00-21:30Uhr sie noch so auf Touren hält, dass sie nicht schlafen können.

Bevor Du Dich also für ein Training und den Verein entscheidest, solltest Du vorher auch mal deinen eigenen Biorhytmus unter die Lupe nehmen.

Preis-/Leistungsverhältnis
Neben der Frage, wie viel Du für Kampfkunst ausgeben möchtest, steht natürlich die Frage, was Du für Dein Geld erwartest? Hier spielen mehrere Aspekte eine Rolle

  • Wie oft kann ich in der Woche trainieren? Wie lange dauert das Training?
  • Gibt es Duschmöglichkeiten?
  • Wie ist der Zustand der Umkleidekabinen und der sanitären Einrichtungen?
  • Gibt es ein Graduierungssystem? Oft sind damit zusätzliche Kosten verbunden für Prüfungen, Gürtel etc.
  • Wie ist das äußere Erscheinungsbild der Schule?
  • Wie gut ist der Internet Auftritt? Gibt es hier weitere Informationen oder sogar ein Mitgliederbereich?
  • Gibt es weitere Angebote wie Fitness-Studio oder Sauna?

Persönliche Erfahrungen

Als ich von 2012-2014 in Siegen gewohnt habe, schaute ich mir fast jeden Kampfsportverein der Stadt an. So richtig traf nichts meinen Geschmack, bis ich zum Aikido kam. Der Trainer war mir sofort sympathisch und die Gruppe machte einen guten Eindruck. Auch wenn ich nach wie vor Aikido für eine weniger effektive Kampfkunst halte, so hatte ich in der Gruppe super viel Spaß.

Wir haben uns mit der Fallschule oder dem Verteidigen gegen mehrere Angreifer oft richtig ausgepowert und sind nach dem Training mindestens 1x die Woche zusammen weggegangen. Der Gruppenzusammenhalt war toll, das Training abwechslungsreich, der Trainer eine echte Persönlichkeit, weshalb es mich nicht gestört hat, dass die vermittelten Techniken nicht sehr effektiv für den Ernstfall sind.

Tipps für Eltern

Oft stehen Jugendliche irgendwann einmal vor der Frage, welche Sportart sie gerne erlernen möchten. Kampfkunst kann eine sehr bereichernde Sportart sein. Nicht nur, weil es die Fitness in vielen unterschiedlichen Aspekten trainiert, sondern auch, weil viele Kampfkünste neben dem sportlichen Aspekt auch Weisheiten für das Leben vermitteln.

Der richtige Trainer und die passende Gruppe sind ausschlaggebend dafür, ob einem Kind der Sport Spaß macht oder nicht. Erfahrungsgemäß probieren Kinder ungern viele Dinge aus, oft fehlt ihnen die Geduld.

Möchtest Du als Elternteil Dein Kind gerne für eine Kampfkunst begeistern, dann ist mein Ratschlag an Dich: Schaue Dir zuerst ohne Dein Kind den Verein und den Trainer an. Könntest Du Dir vorstellen, dass beides zu Deinem Kind passt, dann vereinbare dort einen Probetermin und im besten Fall auch ein Gespräch mit dem Trainer, mit dem Ihr Eure Ziele besprechen könnt.

Erfahrungsgemäß probieren Kinder nie mehr als 2-3 Kampfkunst Vereine aus, bevor sie zu einer ganz anderen Sportart wechseln oder es mit dem Sport vor lauter Enttäuschung ganz bleiben lassen. Da wäre es doch schade, wenn Du mit Deinem Kind zu den falschen Vereinen gehst und es eher von dieser tollen Sport abschreckst.

Mit den oben genannten Tipps wirst Du aber ganz sicher den richtigen Verein für Dich oder Dein Kind finden. Viel Erfolg bei der Suche und viel Spaß beim Training! :-)

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