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Was soll ich nur Studieren?

Die Industrie schreit nach Fachkräften. Vor allem im Bereich Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau und Wirtschaft. Da stellt sich doch für junge Menschen die Frage „Was soll ich studieren?“

Was macht mir überhaupt Spaß? Und gibt es wirklich gute Jobs in diesen Bereichen? Kann ich dort meine Fähigkeiten einbringen? Wie wird es nach der Bewerbung weiter gehen?

Nach dem Studium in den Job – Bewerbung und Recruiting

Viele Unternehmen sehen Recruiting noch unter dem Aspekt „Angebot und Nachfrage“. Je mehr Leute sich für eine Stelle bewerben, desto geringer kann ich als Personaler das Gehalt gestalten oder desto höher kann ich meine Anforderungen wählen. Es gibt ja schließlich genug andere Bewerber.

Leider funktioniert diese Herangehensweise verdammt gut, wenn man es schafft, den jungen Menschen einzureden, dass in einem bestimmten Bereich Fachkräftemangel herrscht. Daraufhin fangen diese Menschen alle an zu studieren (z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik…). Am Ende gibt es zwar jede Menge Ingenieure, aber keine Stellen mehr, oder nur noch schlecht bezahlte Stellen. Auf eine Stelle bewerben sich beispielsweise 7 sehr gut ausgebildete Ingenieure…

Für den Personaler zu wenig, er hätte gerne noch mehr Auswahl. Dennoch lädt er alle 7 ein, 4 davon sind für die Stelle geeignet, derjenige mit den kleinsten Gehaltsforderungen kriegt den Job. Zahlen, Daten, Fakten… ZDF-Denken halt, sehr üblich für die Industrie. Das ganze funktioniert umso besser, je höher das Einstiegsgehalt ist, bzw. in der Presse veröffentlicht wird. Bei Ingenieuren ca. 40.000-55.000€.

So schaffen es die Industriebetrieb jährlich, hunderttausende von Menschen in die Unis zu locken, wo jene sinnfreien Stoff büffeln müssen, um sich anschließend um wenige Stellen zu prügeln. Auf der anderen Seite bleiben viele Lehrstellen in Handwerksbetrieben vollkommen unbesetzt, weil sich nicht ein einziger (!) darauf beworben hat.

Im Handwerk ist die Welt im übrigen noch in Ordnung. Du kannst nichts, du verdienst nicht viel (am Anfang). Wer bereit ist zu lernen, sich zu entwickeln und zu spezialisieren, der verdient später richtig kohle! Dennoch ist das Einstiegsgehalt im Handwerk nach der Ausbildung ca. 20.000-30.000€ und damit deutlich niedriger, als bei Ingenieuren. Meiner Meinung nach auch gerechtgertigt, denn auch nach der Ausbildung ist man noch lange nicht so weit, viel Leistung zu erbringen, was im übrigen für Akademiker genauso gilt!

Die Tendenz unter Ingenieuren Mitte 30: BurnOut, Krankheit, Fettleibigkeit, Überstunden, Stress und Druck von Oben
Die Tendenz unter Handwerkern Mitte 30: Aufbau des eigenen Betriebes, eigene Mitarbeiter, Wohlstand.

Ich kenne viele Handwerker, die mit Mitte 40 bereits Millionäre sind, aber keinen einzigen Ingenieur… Das mal zum Thema Fachkräftemangel.. Dafür kenne ich viele Ingenieure, die mit Mitte 30 bereits erhebliche, gesundheitliche Probleme haben.

Thema Geld und Einstiegsgehalt

Geld ist ein Hygienefaktor, nach wie vor. Wenn man als Personaler geldgeile Mitarbeiter einstellen möchte (ZDF-Denker), dann kann man solche natürlich mit Geld locken, ist doch klar! Und jene werden sich auch den Arsch aufreißen, um für das Unternehmen hohe Gewinne einzufahren, logisch…

Aber was passiert, wenn das Produkt mal (eine Zeit lang?) am Markt nicht mehr so gut läuft, das Gehalt nicht mehr gesteigert werden kann? Dann sind die ZDF-Denker schneller weg, als einem lieb ist… Nicht nur das, genau solche ZDF-Denker gehen dann zur Konkurrenz und nehmen die eigenen Kunden noch mit.

Ich würde NIEMALS einem Unternehmen raten, hohe Einstiegsgehälter zu zahlen. Wozu auch? Zu Beginn der Einstellung weiß doch weder das Unternehmen, ob der Bewerber passt, noch weiß der Bewerber, ob er sich gut in das Unternehmen einbringen kann, ob die Chemie stimmt… Das Einstiegsgehalt ist völlig uninteressant…

Wenn man nach 6 Monaten feststellt: Der Bewerber hat richtig was auf dem Kasten, er kann sich gut einbringen, arbeitet gut mit den Kollegen zusammen und macht sogar schon Vorschläge zur Produktverbesserung, die er selbst teils umsetzt, dann kann er auch das doppelte Gehalt verdienen, warum denn nicht?

Ich tendiere eher zu irgend einem Einstiegsgehalt, bei dem der Hygienefaktor berücksichtigt sein sollte, danach zu einer Gehaltsanpassung nach ca. 6 Monaten (abhängig von der Leistung) und nochmals nach ca. 18 Monaten. Dann weiß man doch viel eher, was ein Mensch dem Unternehmen wirklich wert ist.

Nach allem, was ich gesehen und erlebt habe, würde ich heute einem jungen Menschen raten: Mit 16 Jahren aus der Schule raus, ein Handwerk erlernen, 5-8 Jahre dort arbeiten, im besten Falle spezialisieren, eigene Firma aufmachen. Dabei einen guten Mentor suchen und stets viel dazu lernen. So jemand ist mit Mitte 30 Millionär. Versprochen! Aber nicht, weil er unbedingt viel Geld verdienen möchte, sondern einfach deswegen, weil er für seine Mitmenschen wirklich etwas Gutes macht.

Für solch einen Menschen wäre ich im übrigen liebend gerne Mentor :-)
Auf die Frage hin „Was soll ich nur Studieren?“ wäre daher meine Antwort: Nichts! Außer du möchtest unbedingt Arzt, Anwalt oder Architekt werden… Ansonsten erlerne doch lieber ein Handwerk oder mache eine gute Ausbildung. Für lernwillige gibt es in JEDEM Beruf Möglichkeiten, Wohlstand zu erzeugen.

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