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Rollen innerhalb einer Gemeinschaft

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Das Wissen über Rollen innerhalb einer Gemeinschaft hat mir geholfen, meinen Sinn im Leben zu finden. Daher ist mir dieses Thema auch so wichtig. Als Coach habe ich mit meinen Klienten mehrfach erlebt, wie befreiend und inspirierend es sein kann, die eigene Rolle gefunden zu haben. Meine persönlichen Erfahrungen habe ich gegen Ende des Artikels geschildert. Aber eines nach dem anderen.

Ein Brainstorming zum Thema Rollen könnte folgende Begriffe beinhalten:

  • Theater
  • Familie (Mutter, Vater, Kind)
  • Zitronenrolle
  • Abrollen (Häkelfaden, Turnen)
  • Wagenrolle
  • Black Roll

Eine Rolle ist meist rund, etwas Abgeschlossenes, hat oft auch mit Bewegung und Dynamik zu tun.

Rollen innerhalb einer Gemeinschaft

In diesem Artikel möchte ich mich auf die Rolle, die wir innerhalb einer Gemeinschaft einnehmen, beziehen. Auch hier gibt es wieder ganz unterschiedliche Arten von Rollen, da es ganz unterschiedliche Arten von Gemeinschaften gibt. Beispielsweise gäbe es da die Familie, in der jeder seine Rolle hat. Es gibt aber auch die Nachbarschaft als Gemeinschaft. Oder den Freundeskreis, oder den Arbeitsplatz. Puuh… gar nicht so einfach… In jede dieser Gemeinschaften nehmen wir teils völlig unterschiedliche Rollen ein. So kommen wir nicht weiter!

Rolle innerhalb eines Netzwerkes

Alle Gemeinschaften haben gemeinsam, dass sie Netzwerke sind. Ein Zusammenschluss von Menschen zu einem Netzwerk. Wenn wir über Rollen in Gemeinschaften sprechen wollen, können wir uns also auch anschauen, wie Netzwerke aufgebaut sind und welche Rollen es dort gibt.

Innerhalb eines gut funktionierenden Netzwerkes müssen 4 Rollen vorhanden sein:

  1. Verarbeitung
  2. Vernetzung
  3. Bewertung
  4. Erregung

Dies gilt für alle möglichen Arten von Netzwerken, wie Gemeinschaften, ein Gehirn, das Internet, das menschliche Nervensystem usw. Unterstützt wird diese These durch die Forschungen von Prof. Peter Kruse(*2), welcher leider 2015 verstorben ist.

Im Folgenden gehe ich näher auf die 4 Rollen ein.

1) Verarbeitung

Ein Computer ist ein klassisches Mittel zum Verarbeiten: Input -> Verarbeitung -> Output
Um etwas verarbeiten zu können, benötigt der Verarbeiter einen Input. Anschließend kommt ein Output, also ein Ergebnis heraus.

Beispiele

  • Ich könnte meinem Rechner eine Suchanfrage über Google stellen und bekomme anschließend die Ergebnisse auf dem Monitor angezeigt.
  • Ein Mitarbeiter bekommt Skizzen, verarbeitet diese und erstellt eine technische Zeichnung
  • Ich lege Essensreste in den Gefrierschrank (Input), der Gefrierschrank kühlt das Essen (Verarbeitung) und drei Stunden später habe ich gefrorene Essensreste (Output)

2) Vernetzung

Damit mehrere Verarbeiter in komplexen Systemen miteinander funktionieren, braucht es Verknüpfungen zwischen den Verarbeitern. Also die Vernetzung der Verarbeiter. Der Vernetzer schafft Querverbindungen zwischen den Verarbeitern. Er sorgt für Austausch und Weiterleitung von Ressourcen.

Beispiele

  • Ein Händler, der Waren einkauft und verkauft
  • Eine Online-Plattform, die Menschen zusammen bringt (Facebook, YouTube,…)
  • Eine Firma, die Straßen baut

3) Bewertung und Führung

Die Rolle der Bewertung und Führung wirkt direkt auf den Netzwerker. Das System, welches der Netzwerker geschaffen hat, wird durch den Bewerter bewertet. Es wird entschieden, ob das System seinen Zweck gut erfüllt oder ob das Netzwerk ggf. angepasst werden muss.

Beispiele

  • Ein Unternehmensberater, welcher einschätzt, ob ein Unternehmen ggf. umstrukturiert werden muss
  • Ein Kritiker, welcher Kritiken zu verschiedenen Themen verfasst
  • Hormone im menschlichen Körper, wie z.B. Serotonin, das Glückshormon, welches immer dann feuert, wenn etwas Tolles passiert ist.

4) Erregung

Damit ein Netzwerk überhaupt benutzt wird, also lebt, muss es erregt werden, ansonsten ist es ein totes Netzwerk und stirbt ab. Erregung kann ganz unterschiedlich passieren und aussehen.

Beispiele

  • Ein Trendsetter wie Stefan Raab
  • Allgemein fast alles, was zum Schwingen anregt, wie z.B. Musik
  • Gefühle wie Neugier oder Angst
  • Ein Journalist, der über ein bestimmtes Thema schreibt

Meine Rolle innerhalb einer Gemeinschaft

Die meisten Leser werden an dieser Stelle schon eine Ahnung davon haben, welche dieser Rollen sie am liebsten in einer Gemeinschaft einnehmen (Verarbeitung, Vernetzung, Bewertung, Erregung). Es ist nun noch wichtig, dass wir diese Rolle nicht nur einnehmen, sondern auch mit dem richtigen Denken (zu Neudeutsch: Mindset) erfüllen.

Rollenkonflikte
Sehe ich mich selbst als Bewerter, habe aber das Mindset eines Verarbeiters, dann tue ich vielleicht, was mir richtig erscheint (Beratung), fühle mich damit aber wertlos, weil ich gerade nichts verarbeite, also keine Leistung hervorbringe.

Es gibt auch Berater, die sich dann über die Leistung ihres Kunden identifizieren, was zu bösen Überraschungen führen kann. Wenn der Kunde beispielsweise trotz guter Beratung schlechte Ergebnisse erzeugt, wird sich dann der Berater selbst in Frage stellen.

Die Funktion eines Beraters ist es nicht, für gute Ergebnisse zu sorgen! Das muss der Verarbeiter schon selbst machen und kann dies nicht einfach delegieren, auch wenn das Hinzuziehen eines Beraters oft Sinn macht.

Es kann auch passieren, dass ich etwas nicht tue, was mir richtig erscheint (Beratung), weil ich glaube, dass es wertlos ist. Dann arbeite ich als Verarbeiter (z.B. als Sachbearbeiter in einem Unternehmen) und denke jeden Tag: „Du könntest eigentlich noch viel mehr machen… Du verdienst viel zu wenig. Warum sieht mein Chef nicht, was ich alles kann?“

Übersicht: Rollen einer Gemeinschaft

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Rolle Fokus Typische Werte Typische Jobs
Verarbeitung Wie kann ich meine Arbeit noch effektiver / schneller / besser erledigen? Geschwindigkeit, Genauigkeit, Leistung, Qualität Facharbeiter, Handwerker, Sachbearbeiter
Vernetzung Wie kann ich für den Austausch von Ressourcen sorgen, oder ein System schaffen, indem dies automatisch passiert? Geselligkeit, Freundschaft, Offenheit Verkäufer, Händler, Programmierer
Bewertung / Führung Muss (s)ich etwas ändern? Neugier, Flexibilität, Mut, Freiheit Berater, Coach, Führungskraft
Erregung In welche Richtung soll sich unsere Gemeinschaft verändern? Liebe, Gemeinschaft, Gerechtigkeit Journalist, Filmemacher, Musiker

Typische Probleme

Häufig kommt es vor, dass Menschen ihre Rolle mit dem falschen Mindset erfüllen, oder Menschen mit unterschiedlichen Rollen aufeinandertreffen, ohne die Rolle des anderen zu wertschätzen.

Verarbeiter und Vernetzer
Ein Facharbeiter meint, dass sein Chef faul ist, weil er „den ganzen Tag nur quatscht“.

Verarbeiter und Bewerter
Ein Berater wird an der „Leistung“ dessen gemessen, was das Ergebnis des Beratungsprozesses ist. Also daran, wohin die Beratung geführt hat.

Vernetzer und Bewerter
Ein Programmierer erstellt eine Plattform zum Vernetzen von Menschen (z.B. ein Forum zu einem bestimmten Thema). Der Bewerter macht darauf aufmerksam, dass die Beiträge in irgendeiner Art nach Wichtigkeit sortiert werden müssen. Der Programmierer lehnt dies ab, weil es für ihn nach Zensur klingt.

Bewerter mit dem Mindset eines Verarbeiters
Hier haben wir einen Angestellten, der innerhalb einer Firma sehr gefrustet arbeitet, weil er zwar weiß, wie alles besser gemacht werden kann, aber von seinem Umfeld (Mitarbeiter, Chef) nicht die Möglichkeiten bekommt, es umzusetzen. Er ärgert sich über Hierarchien und Machtstrukturen.

Vernetzer mit dem Mindset eines Verarbeiters
Dies passiert häufig bei Menschen, die aufgrund ihrer guten Leistungen von der Fachtätigkeit in Führungspositionen befördert wurden. Also vom Sachbearbeiter zum Vorgesetzten. Sie glauben, sie müssten nun Ihre Mitarbeiter „managen“. Sie glauben, sie wären für die Ergebnisse verantwortlich, also für die Leistung, für den Output der Abteilung.

Ein Vernetzer ist jedoch nicht für Ergebnisse, sondern für die Menschen innerhalb seines Wirkbereichs verantwortlich (siehe z.B. Werte eines Vernetzers: Geselligkeit, Freundschaft, Offenheit).

Genau hier haben wir eines der größten Probleme in der Deutschen Führungskultur, welches auf einem ganz simplen Missverständnis von Rollen innerhalb einer Gemeinschaft basiert. Mehr Informationen hierzu siehe unten, am Ende des Artikels(*3).

Was kann ich tun? Was sind die nächsten Schritte?

  1. Die eigene Rolle finden. Die meisten Leser werden an dieser Stelle schon eine gute Vorstellung davon haben, welche Rolle für sie stimmig ist. Falls noch Unklarheiten diesbezüglich vorhanden sind: Ruhig mal den eigenen Lebenslauf hinterfragen, ggf. einen Coach hinzuziehen.
  2. Die eigenen Werte überprüfen. Lebe ich die Werte aus, die für die Ausübung meiner Rolle richtig sind, oder lebe ich nach anderen Werten? An dieser Stelle rate ich zu einem Feedbackgespräch mit einem Coach. Ein Freund ist diesbezüglich kein guter Ratgeber
  3. Den Mut und die Courage haben, den eigenen Weg zu gehen. Hierbei wird man schnell gegen enorme Wiederstände ankämpfen müssen. Die Mitmenschen wollen nicht, dass jemand innerhalb des Systems seine Rolle ändert. Dies ruft Ängste, Wut und Sorgen bei allen Beteiligten hervor. Daher rate ich auch bei diesem Schritt zu der Zusammenarbeit mit einem Coach, der einen Menschen mitsamt seinem Umfeld auf dem Weg der Veränderung begleitet.

Typische Widerstände und Aussagen von Freunden, Familienangehörigen und Kollegen, mit denen Sie konfrontiert werden, könnten sein:

  • Bist du jetzt völlig durchgeknallt? Hast Du den Verstand verloren?
  • Du willst ja nur Dein eigenes Ding machen, Du bist total egoistisch geworden!
  • Wenn Du glaubst, dass Du hier nicht mehr glücklich wirst, dann geh doch!

Um nicht gleich das gesamte Umfeld bei der Neuorientierung zu verlieren, ist es notwendig, dieses Umfeld auf den Veränderungsprozess vorzubereiten. Es lohnt sich, die Mitmenschen behutsam darauf einzustimmen, dass sich bald ein paar Dinge ändern werden, falls Sie mit diesen Menschen auch in Zukunft noch zusammen leben möchten.

An dieser Stelle verweise ich gerne auf mein Angebot Flow – Coaching, welches für vielbegabte Menschen konzipiert ist, die ihre Rolle finden und leben möchten.

Persönliche Erfahrungen – Totale Orientierungslosigkeit

Typisches Bild während meiner Orientierungslosigkeit – Alleine von morgens bis abends in der Matte mit dem Handy daddeln – Ein Rollenkonflikt hat dazu geführt, dass ich monatelang in Lethargie versunken bin. Familie, Freunde und Psychologen waren ratlos. Erst die Auflösung des Rollen-Konfliktes hat zur Heilung geführt.

Jahrelang bin ich als Verarbeiter mit dem Mindset eines Beraters durch die Welt gegangen.
Ich habe über Unternehmen geschimpft, über Entscheidungen, über Vorgesetzte und Hierarchien. Auch Freunde und Familienangehörige waren bei mir unten durch… Meinen Arbeitsplatz habe ich oft gewechselt, meinen Freundeskreis genauso. Am Ende hat es mich krank und einsam gemacht.

Während der Zeit meiner totalen Orientierungslosigkeit ist mir klar geworden, dass ich nicht authentisch lebte. Ich fühlte mich zu einer Rolle hingezogen, habe mich aber in einer anderen aufgehalten. Leider hatte ich niemanden, der mich auf diesem Weg begleitet hat, weshalb dieser lange Weg mit vielen Schmerzen, Krankheiten und Leid verbunden war.

Berg geschafft :-)

Nun lebe ich meine Rolle als Bewerter voll aus. Ich unterwerfe mich nicht mehr dem Leistungsdenken, weil ich weiß, dass es dem Verarbeiter vorbehalten ist. Ich muss keine Leistung mehr erbringen! Welch eine Befreiung. Dafür darf ich, nein, ich muss mich mit ständig neuen Dingen beschäftigen. Einfach deshalb, weil es meiner Rolle als Berater und Coach gerecht wird, weil ich nur so meine Rolle gut ausüben kann.

Ein guter Berater und Coach ist und lebt bunt! Er ist vielfältig interessiert und engagiert. Nur so kann er sich ein umfassendes Wissen und Erfahrungen aufbauen, welche für den Beratungsprozess so wichtig sind.

Mit Worten ist es schwer zu beschreiben, welch eine Befreiung und welch ein Lebensglück es für mich bedeutet, meine Rolle und damit meinen Platz im Leben gefunden zu haben. Es fühlt sich an wie ankommen.

Auf dem Weg nach oben kann es mitunter sehr anstrengend, rutschig und glatt sein. Manchmal rutscht man aus, fällt hin, tut sich weh. Es bleibt nichts anderes übrig, als aufzustehen und wieder von vorne anzufangen. Nun aber ein kleines Stück weiter kommen, als beim letzten Mal, bis man es zum Ziel geschafft hat. Genau wie beim Bouldern ;-)

Kurz nachdem ich dort angekommen war, habe ich einen alten Freund, den ich längere Zeit nicht gesehen hatte, wieder getroffen. Wir haben uns ein wenig ausgetauscht, dann schaute er mich auf einmal ganz komisch an… Ich fragte, was denn los ist. Er sagte zu mir: „Was ist denn eigentlich mit Dir passiert? Du wirkst so ruhig, so ausgeglichen, so gelassen… So habe ich Dich noch nie erlebt!“
Da ist mir klar geworden: Du hast es geschafft! :-)

Weiterführende Informationen

*1) Barbara Sher
Barbara Sherwww.barbarasher.com
Barbara Sher prägte den Begriff „Scanner“ als Synonym für Vielbegabe, Ideenhelden und Multi-Potentials. Sie hat mehrere Bücher zu diesem Thema verfasst. Die meisten habe ich gelesen ;-)

*2) Prof. Peter Kruse
Unternehmensberater und Gehirnforscher Prof. Peter Kruse
Interview mit Peter Kruse über Vernetzung, Erregung, Bewertung

*3) Simon Sinek
Autor, Journalist und Unternehmensberater
Simon Sinek
Simon Sinek zeigt in seinem Vortrag Why good leaders make you feel safe, wie Netzwerke über Vertrauen aufgebaut werden, in denen die Menschen sich gegenseitig sogar lieben. Wenn er von Mitarbeitern spricht, spricht er gerne von „Brothers and sisters“. Er überträgt seine Erfahrungen, die er beim Milität gemacht hat, auf das Unternehmertum.

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One comment

  1. David Goebel says:

    Hallo Ben,
    danke für die Einblicke in dein Leben und in die Typologie (Verarbeiter, Vernetzung, Bewertung, Erregung). Die war mir bislang noch unbekannt und sie ist nützlich. Deshalb werde ich sie in meine Repertoir aufnehmen.

    SinnSTIFTende Grüße,
    David

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