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Erfahrungen mit einem Personalvermittler – Fachkräftemangel Fehlanzeige

Ich bleibe dabei: So, wie momentan Ingenieure und Techniker behandelt werden, kann es keinen Fachkräftemangel in Deutschland geben! Über das Portal XING bin ich auf eine sehr interessante Position aufmerksam gemacht worden. Es ging um den Aufbau einer Service Abteilung innerhalb eines Unternehmens. Ein sehr spannendes Projekt wie ich fand. Das Unternehmen wollte die Person langfristig binden, weshalb es sich um eine Festanstellung handelte. Für jemanden wie mich, der seit 5 Jahren selbstständig ist, nicht gerade rosig, aber ich sehe auch die Chancen.

Der Personalvermittler wirkte auf den ersten Eindruck sympathisch, weshalb ich meine Unterlagen eingereicht habe. Was danach passierte, hat mich schwer schockiert.

Hierarchie – Diktatur – Hochnäsigkeit

Man fragte mich am Mittwoch, ob ich am Freitag schon Zeit habe. Ich sagte, dass ich generell Freitags noch flexibel bin. Am Donnerstag Abend bekam ich nach 7 Uhr einen Anruf, dass ich um 12:30Uhr zum Vorstellungsgespräch eingeladen bin. Keine Nachfrage, ob mir der Termin passt, er wurde einfach diktiert. Das Unternehmen wurde mir genannt, mit der Bitte, mich ausgiebig in die Unterlagen (Webseite) einzuarbeiten.

Als ich auf dem Hof der Firma stand, war alles dunkel. Es brannte kein Licht. Mein erster Eindruck: Jemand hat mich veräppelt… Die Türen waren abgeschlossen, kein Zettel, keine Rückmeldung, ich wollte schon wieder fahren, bis ich im dunkeln der Firma eine Person gesehen hatte. Da suchte ich einen Nebeneingang und wurde fündig. Ein Mitarbeiter sah mich, ich grüßte ihn, er mich zurück und dann ging er weiter. Kein Nachfragen, kein Nachfassen… Ich stand als Gast im Eingangsbereich, offenbar unempfangen und der Mitarbeiter hat nicht ansatzweise anstalten gemacht, mir weiter zu helfen. Er wirkte nicht gestresst, wartete in der Küche auf seinen Kaffee. Da war mir klar:

Hier kümmert man sich nicht um seine Gäste, was die Vermutung naheliegt, dass der Chef sich auch nicht um seine „Untergebenen“ kümmert.

Einseitiges Aufbohren

Im Vorstellungsgespräch wurde mein Bild nicht zum Positiven verändert. Zunächst wurde ich geprüft, in wie weit ich mich mit dem Unternehmen seit gestern Abend beschäftigt habe. Da wurde ich also zum Unternehmen ausgefragt, quasi als Test. Anschließend fand ein einseitiges Aufbohren des „Kandidaten“ statt. Ich musste Rechenschaft über jede wichtige Entscheidung in meinem Lebenslauf ablegen, ca. 50 Minuten lang. So habe ich also eine Geschichtsstunde von der Grundschule bis zum letzten Arbeitgeber an gegeben…Meinen Lebenslauf haben die Anwesenden offenbar nicht gelesen, denn immer wieder wurde ich zu Tätigkeiten gefragt, die dort klar beschrieben sind. Ich war kurz davor, dass Gespräch vorzeitig zu beenden. Die Position war mit einem hohen 5-stelligen bis 6-stelligen Jahresgehalt dotiert und ich kam mir vor, wie bei einem Kreuzverhör.

Darf ich nun auch mal?

Als die Anwesenden dann endlich offen für Fragen zum eigenen Unternehmen waren, habe ich nach ein paar ersten Einstiegsfragen darum gebeten, einen kleinen Rundgang machen zu können, um kurz mit den Kollegen zu sprechen und mir einen eigenen Eindruck von der Mannschaft machen zu können. Diese Bitte wurde komplett übergangen, mit der Aussage: Wir haben eine gute Firmenkultur, sonst hätten wir nicht solche großen Projekte erfolgreich stemmen können. Die gute Firmenkultur wurde also mit dem Erfolg des Unternehmens begründet.

Blöd war nur, dass ich wusste, dass die Firma eine Rendite von ca. 1-4% pro Jahr macht (Unternehmensdaten sind bei GmbHs öffentlich einsehbar, ich habe sie mir am Abend zuvor angesehen). Im Jahr 2014 wurden sogar 51.000€ Verlust gemacht, bei einem Umsatz von knapp 64 Mio€. Solche Zahlen sind für eine Firma mit unternehmerischem Risiko als eher schlecht bis sehr schlecht einzustufen. Ein Investor würde sein Geld lieber unters Kopfkissen legen, als es so einer Firma zu geben…Eine gute Rendite bei einem mittelständischen Unternehmen bewegt sich um 10%.

Die Zahlen sagen also in der Tat etwas über die Firmenkultur aus, jedoch spiegeln sie nicht das Bild wieder, welches mir im Vorstellungsgespräch vorgegeben wurde.

Herauskomplementierung nach 90 Minuten

Im Grunde wollte ich in dem Gespräch über meine Vorstellungen sprechen, wie man den Aufbau dieser Service Abteilung gestalten könnte. Ich wollte von meinen Ideen und Ansätzen diesbezüglich sprechen. Als wir dann endlich an diesem Punkt angekommen sind, klopfte es an der Tür. Der nächste Bewerber wartete bereits. Lächerlich… Ich konnte es wirklich nicht glauben…

Wir hatten noch nichtmal mit dem Wesentlichen richtig begonnen, da wurde ich nach nur 90 Minuten heraus gebeten. Diese Firma und der Personalvermittler haben sich für die Besetzung einer solchen strategischen, gut dotierten Position 90 Minuten für den Kandidaten Zeit genommen um dann einen nach dem anderen kommen lassen um dem größten Arschkriecher den Job zu geben… Denn für mehr bleibt nach knapp einer Stunde einseitigem Ausquetschen nicht übrig, um sich zu „profilieren“. Mit gegenseitigem Kennenlernen auf Augenhöhe hatte dies nichts zu tun.

Dies war kein Vorstellungsgespräch, dies war ein einseitiges Aufbohren des Kandidaten. Solch eine Vorgehensweise kann man nur machen, wenn es einen Überfluss an möglichen Kandidaten gibt, nicht bei einem Fachkräftemangel. Schlaue Köpfe wird man mit solch einer Vorgehensweise dennoch nicht gewinnen können, egal wie groß das Angebot ist.

Personalvermittlung mal anders

Diese Erfahrung hat mich dazu bewogen, mich mit dem Thema Personalvermittlung zu beschäftigen. Wenn man mit solchen machtbetonten Methoden aus den 90ern schon Geld verdienen kann, wie wäre es erst dann, wenn man mit modernen Methoden das Thema Personalvermittlung bearbeitet. So werde ich in Zukunft weiter in dieser Richtung recherchieren und Kontakte zu möglichen Kandidaten und Unternehmen aufbauen.

Weiterführende Informationen

Unternehmensdaten öffentlich einsehen: www.unternehmensregister.de

Torsten Schumacher erklärt in einem seiner Vorträge, wie man gute Leute gewinnt. Es ist im Grunde nicht schwer, nur anders / modern.

 

 

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