Home » Umgang mit Depressiven

Umgang mit Depressiven

Ich denke, es ist an der Zeit, ein paar Dinge aus meinem Leben klar zu stellen.

Seit der Trennung von meiner damaligen Freundin Meike, im September 2012, tobte in mir ein Konflikt. Ein Konflikt, welcher mich krank machte und sowohl manische, als auch depressive Phasen auslöste. Es begann ein Weg, der nicht leicht war, weder für mich persönlich, als auch für mein Umfeld, weshalb ich die meiste Zeit ganz alleine diesen Weg bestritt. Daher möchte ich erläutern, wie man am besten mit einem Depressiven umgeht.

Meine letzte Depression hatte ich gegen Ende 2016. Zu der Zeit habe ich im Verkauf im Einzelhandel gearbeitet und war froh, wenn ich die technischen Merkmale dreier Laufbänder auseinander halten konnte. Nicht einfach für jemanden, der sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hat… Dann habe ich endlich Antworten auf jene Fragen gefunden, die ich mir seit Ende 2012 gestellt habe und die mich fast umgebracht hätten…

Krankheit

Vor kurzem habe ich eine Freundin gefragt, was für sie Krankheit bedeutet. Sie sagte, „Krankheit ist, wenn man nicht mehr in der Lage ist, am normalen Leben teil zu haben“. Nach dieser Definition war ich in den letzten Jahren mindestens 80% meiner Lebenszeit krank. Im letzten Jahr 2016 eher 90%. Bis auf die 2 Stunden Akrobatik in der Woche hatte ich nichts, wofür es sich zu Leben lohnte.

In meinem Artikel über Depression und Manie(*1) habe ich mehr von dieser Zeit erzählt. Ich mache niemanden einen Vorwurf, der mir nicht helfen konnte oder sich von mir entfernt hat. Das Wissen um Depression und Manie ist noch sehr rudimentär und wenige Menschen können hier gut mit umgehen, weshalb sie sich von diesen Menschen entfernen. Die wenigen, die gelernt haben, mit Depressiven umzugehen, haben oftmals selbst schwierige Lebensphasen durchlaufen.

In den letzten 4 Jahren waren nur zwei Menschen wirklich für mich da:
Alexandra und Felicia Bug. Euch beiden bin ich sehr dankbar, für eure Unterstützung! Hier habe ich wahre Liebe(*2) empfunden.

Was ist Depression?

Ich weiß nicht, was Depressionen sind, aber ich glaube, dass es ein Transformationsprozess ist. Es gibt eine Frage, ein Gefühl oder eine Situation, die ungeklärt ist, weshalb der Körper und Geist eine Art Transformationsprozess einleiten. Während dieses Prozesses werden Gehirnstrukturen neu gebildet und das ganze System komplett runter gefahren. Man ist nicht mehr in der Lage, am normalen Leben Teil zu nehmen – Man ist krank.

Wenn man weiß, wie man diesen Transformationsprozess unterstützen kann, kann man ihn sicher beschleunigen. Wenn man dies nicht weiß, wird man ewig versuchen, mit Hilfsmitteln (Medikamente) und Gesprächs-Therapien (Psychologen) an den Symptomen rumzudoktorn. Nichts davon hat nach meiner Erfahrung langfristig Erfolg.

An dieser Stelle möchte ich sagen, dass man in eine Stufe der Depression fallen kann, an der Psychopharmaka und Therapien lebenswichtig sind! Aber sie sind keine Heilung, sondern lindern nur die Symptome. Heilung sieht anders aus und habe ich im Artikel(*1) ebenfalls beschrieben.

Umgang mit Depressiven, während und nach der Krankheit

Als Angehöriger ist man oft ratlos, wie man mit einem Depressiven umgehen soll. Ich bin der Ansicht, dass der Film „Ziemlich beste Freunde“ ganz genau zeigt, wie man dies tut. Ich empfehle jedem Angehörigen, diesen Film zu sehen und zu schauen, wie und was Driss genau macht, bzw. nicht macht. Hier in Kürze, wie er mit dem depressiven Philippe umgeht:

  • Driss hat kein Mitleid und ist nicht empathisch oder analytisch, was unglaublich wichtig ist, um nicht selbst an Depressionen zu erkranken
  • Driss gibt Philippe keine „klugen Ratschläge“. Er behandelt ihn auf Augenhöhe, nicht von oben herab.
  • Driss lernt Philippe sehr genau kennen. Seine Vorlieben, seine Geschichte, seine Motivationen… Schon bald weiß er fast alles von ihm.
  • Driss vergisst oft die Missstände oder Depression seines „Patienten“
  • Driss ist komisch, albert rum und macht viele Witze
  • Driss unterstützt Philippe in allen Belangen, wo er nur kann. Aber er fordert ihn auch permanent heraus. Gibt ihm kleine Aufgaben, die er bewältigen muss und verarscht ihn auch gerne mal. Er fordert und fördert Philippe.
  • Driss setzt sich für Philippe ein. Wenn jemand von außen ihn bedroht, ist er 100% für ihn da und steht hinter ihm.
  • Driss und Philippe lernen sich zu lieben.

Zusammen waren die beiden unschlagbar. Philippe hat die Kohle und die tollen Autos. Driss die Kraft und die Schlagfertigkeit. Beides ergänzt sich prima.

Der Gehirnforscher und Unternehmer Prof. Peter Kruse hat einmal gesagt „Wenn Du einen Depressiven und einen Analytiker zusammen bringst, hast Du am Ende zwei Depressive“. Genau das passiert leider oft in Kliniken oder Therapien, wenn sich Depressive an Psychologen wenden. Am Ende sind beide krank.

Für einen Depressiven ist der permanente Umgang mit humorvollen, unempathischen, nicht-analytischen und im Leben stehenden, starken Menschen wichtig.

Auch Schwimmstar Michael Phelps litt unter Depressionen.

Weitere Informationen

(*1)Artikel über meine 4-jährige Depression und Manie

(*2)Artikel über wahre Liebe

Diskussion und Abonnieren

Besuche doch die Facebook Gruppe Ben's Texte. Dort kannst Du:

  • Mit dem Autor und anderen Lesern über den Artikel Diskutieren
  • Die besten Artikel abonnieren

Artikel Teilen
Möchtest Du diesen Artikel mit Deinem Netzwerk teilen? Nutze einfach die unteren Buttons.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.